"Jugend-olympiamannschaft"

5.Internationales

Schach-Jugendtreffen

04. - 11. Februar 2005

aktualisiert am
11. Feb 05 14:54


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Tagesberichte

Tagesbericht 9. Runde aus der Pulvermühle

Final Countdown in der Fränkischen Schweiz

Bei GM Peter K Wells gegen Georg Meier, der seine erste IM Norm schon sicher hat, kam es wie es kommen musste. Nach 11 Zügen und 25 Minuten wurde in einer bekannten Theoriestellung remis vereinbart. Damit sicherte sich GM Peter K Wells den Turniersieg mit 6,5 Punkten und Georg Meier einen sensationellen Platz auf dem Siegerpodest. In der Begegnung GM David Baramidze gegen den Lokalmatador Axel Heinz geht es um sehr viel für Schwarz, nämlich um seine zweite IM Norm. Auf ihren ersten Sieg hoffen immer noch die Jüngsten und nun, in der letzten Runde treffen sie aufeinander. Zur Zeit ist die Stellung ( noch! ) ausgeglichen. Zu dem Aufeinandertreffen der ausländischen GMs Mikheil Mchedlishvili und Ilija Balinov ist bedeutend mehr zu sagen, da es für beide um einen Platz an der Sonne geht. IM Arik Braun steht mit Schwarz gegen den niederländischen GM Dimitri Reinderman in der Eröffnungsphase etwas gedrückt. Das Duell der Jüngsten, Ilja Brener gegen FM Falko Bindrich , wurde durch Zeitüberschreitung, Seiten Falkos , entschieden. Dadurch sind die beiden punktgleich mit 2,5 Zählern. GM Dimitri Reinderman übersah in seiner argen Zeitnot den Gewinn und musste Dauerschach mitmachen und somit beendet GM Reinderman das Turnier mit 5 Punkten und IM Braun mit unzufrieden stellenden 3,5 Punkten. GM Balinov erwischte heut einen schlechten Tag und stellte 2 Bauern ein und somit die Partie. Somit sind GM Mchedlishvili und Georg Meier punktgleich mit 6 Zählern und streiten sich um Platz 2. Der österreichische GM Balinov erreichte 4 Punkte bei diesem Turnier. Die Begegnung GM Baramidze gegen Axel Heinz bleibt spannend. Axel hat ein kleines Zeitproblem. Nämlich 2 Minuten für 9 Züge. Aber es ist noch nichts entschieden.

In der letzten Partie der internationalen Schachtage in der Pulvermühle kommt Topfavorit David Baramidze wieder nicht über ein Remis hinaus. Für seinen Gegner Axel Heinz stellen die erreichten 50 % sicher einen Erfolg dar!

Nach 9 Runden und acht Tagen liegt ein hochklassiges Schachereignis hinter uns.

Voller Spannung schauen wir auf das Abschneiden der Jugendolympiamannschaftsspieler nächste Woche bei der DEM. David Baramidze und Arik Braun müssen sich rehabilitieren und Georg Meier wird voller Tatendrang die nächste IM-Norm ansteuern.

Autor: Raiko Siebarth Deutscher Meister U16 2004

Co-Autor : Bernd Vökler


Tagesbericht 8. Runde aus der Pulvermühle

Der Countdown läuft

Zur achten und damit vorletzten Runde war ein Fototermin angesagt. Die Teilnehmer der Jugendolympiamannschaft gesellten sich zu den Großmeistern und posierten für die Nachwelt. Danach ging es mit zwei mannschaftsinternen Duellen weiter. Georg Meier sollte, mit Weiß spielend, keine Mühe haben, den zur Norm nötigen halben Punkt gegen Ilja Brener abzusichern. Trotzdem lautet die Maxime: kontrollierte Offensive! Ein ganzer Zähler bringt ihn aufs Podest! Falko Bindrich und David Baramidze eröffnen eine bekannte Caro-Kann Variante. Wie allerdings David, mit Schwarz spielend, in Vorteil gelangen will, ist schleierhaft. Im Match Balinov – Wells geht es um den Turniersieg. Dieses Ziel kann im Moment nur der englische Großmeister aus eigener Kraft erreichen. Eine interessante Paarung verspricht Braun-Mchedlishvili zu werden. Arik geht kompromisslos wie immer zu Werke. Recht ruhig beginnt Axel Heinz gegen Dimitri Reinderman die Partie. Nach einigen Rückschlägen zuletzt, hofft der Lokalmatador weiter auf die 50%- Marke. Der Bundestrainer Uwe Bönsch lässt alle Teilnehmer grüßen. Er verfolgt das Turnier interessiert via Internet. Die durchschnittlichen Zugriffszahlen liegen bei mehreren Tausend pro Tag. Das ist ganz ordentlich, obwohl wir keine Live-Übertragung der Partien durchführen. Nach gut zwei Stunden wirft ausgerechnet Axel Heinz die erste Brandfackel. Er lädt den holländischen Großmeister zu einem heißen Tanz mit ungewissem Ausgang. An den anderen Brettern ist nicht viel los. Georg hat mit dem Läuferpaar beste Aussichten auf Vorteil; der Rest steht normal. Aufgrund dieser offensichtlich korrekten Einschätzung ist gegen die beiden Remisschlüsse bei Bindrich-Baramidze und Braun-Mchedlishvili nichts einzuwenden. Manchmal ist Schach Remis! Die Stellung bei Axel hat sich zwischenzeitlich sehr zu seinen Gunsten geändert. Der Lokalmatador hat nun eine Qualität mehr. Diesen Vorteil verwertet er sicher zum vollen Punkt. In der horrenden Zeitnot zwischen Balinov und Wells hat der Brite immer eine Variante mehr berechnet. Neben ihm kommt auch Georg Meier zum vollen Punkt und bleibt im Kampf um die Krone im Rennen.

In der letzten Runde kommt es in der Paarung Wells gegen Meier dann zum Showdown. Quasi als Nebenprodukt erfüllt Georg die IM-Norm bereits vorzeitig. 


Tagesbericht 7. Runde aus der Pulvermühle

Altmeister Egon Joppen kiebitzt bei der Jugendolympiamannschaft

Zur siebten Runde stellt sich ein prominenter Veteran des deutschen Schachs als Zuschauer ein. Egon Joppen, seines Zeichens Deutscher Meister von 1961, schaut den zumeist jugendlichen Spielern interessiert über die Schulter. Er kreuzte unter anderen mit dem Ex-Weltmeister und Pulvermühleehrengast Tigran Petrosjan seinerzeit die Klingen. Am heutigen Turniermorgen wird die Tabelle begradigt. Falko Bindrich beißt sich am Richter-Rauser-Aufbau des englischen Großmeisters Peter Wells die Zähne aus. Peter sammelt die Scherben auf und Falko resigniert nicht zu früh.  Damit gehen 4 Spieler als Co-Leader mit 4 aus 6 in das letzte Turnierdrittel. Hierbei kann man die Zugehörigkeit von Georg Meier zur Spitzengruppe als kleine Sensation bezeichnen. In der heutigen Partie gegen den Teamkollegen David Baramidze wird sein Rubinstein-Franzose sicher noch einmal auf Herz und Nieren geprüft. Auf  ihren ersten Sieg hoffen heute Falko Bindrich  gegen Axel Heinz  und Ilja Brener  gegen Ilija Balinov. Beide haben Weiß und werden bis zum Äußersten kämpfen. Eine besondere Bedeutung kommt in dieser Runde der Partie Wells- Braun zu. Arik muss seinen Fehlstart aufholen und Peter kämpft um den Turniersieg. Eine glückliche Konstellation für sehenswertes Kampfschach. Die anwesenden D/C-Kaderspieler verabschieden sich heuer nach drei anstrengenden Trainingstagen und drücken ihren Vorbildern weiter von zu hause aus die Daumen. Ilja hat eindeutig zuviel geopfert! Sein unbedingter Siegeswille ließ ihn über Gebühr riskant vorgehen. Der andere Ilija kontert ihn eiskalt aus. Mit einer Sekunde auf der Uhr rettet sich der Österreicher über den Zug 40 und Ilja Brener gibt aufgrund dreier Minusfiguren den hoffnungslosen Kampf auf. David quält Georg ganze 42 Züge um dann den Friedensschluss zu besiegeln. Dadurch benötigt Georg noch einen halben Punkt für die Norm. Andererseits liegt auch der Turniersieg noch im Bereich des Möglichen. In der Partie Wells-Braun kommt es nach 3 Stunden zur Krise. Ariks slawische Verteidigungsstellung stand ja schon des Öfteren unter Druck, aber Peter Wells setzt neue Maßstäbe! Ein Bauernklumpen im Zentrum, wie er so sehr selten zu sehen ist, gibt der Partie eine individuelle Note. In der anderen noch laufenden Partie bearbeitet Falko Bindrich Axel Heinz. Der erste volle Punkt muss her! In der Zwischenzeit knallt es bei Arik rein und die Partie scheint gelaufen. Mit dem vollen Punkt aus Runde 7 übernähme Peter Wells die alleinige Tabellenführung. Humorvoll akzeptiert Arik ein Matt bei vollem Brett mit seinem König auf d5! Axel Heinz macht aus der Not eine Tugend, opfert einen Bauern und befreit seinen schlechten Läufer aus dem Kerker. Offensichtlich war diese Pointe Falko entgangen. Mit dem Rücken zur Wand, plötzlich in die Defensive gedrängt, kämpft der junge Sachse wenigstens noch das Remis zu erreichen! In der üblichen Zeitnot wendet sich das Blatt und der Ausgang ist offen. Die Partie endet Remis!


Tagesbericht 6. Runde aus der Pulvermühle

Arik Braun hat Geburtstag – aber sein Gegner schenkt ihm Nichts!

Sehr friedlich sind am heutigen Dienstag die beiden GM Reinderman und Wells gestimmt. Schnell erreicht auch die Partie Balinov – Baramidze ihren Höhepunkt. David opfert zwei Bauern und scheint gewaltige Drohungen aufzustellen. Der Österreicher reagiert angemessen, opfert seinen Mehrbesitz zurück und entkommt ins Dauerschach. Georg Meier versucht die zur Norm nötigen Punkte vorzeitig zu sichern. Sein Kontrahent Falko Bindrich ist mit diesem Plan nicht unbedingt einverstanden und so entspinnt sich ein zähes Ringen. Georg kämpft vorbildlich bis fast zum letzten Bauern, erreicht aber nur Remis! Das Geburtstagskind ist irritiert! Arik Braun hatte sich mit der falschen Farbe auf Ilja Brener vorbereitet. Trotzdem entfaltet er eine leichte Initiative auf Kosten eines Bauern. Nach der Zeitkontrolle verbleibt ein Mehrturm gegen Bauern. Nach Umschiffen der Dauerschachklippe siegt der Neusiebzehnjährige mühelos. Axel Heinz wird vom georgischen Großmeister mit dem unaussprechlichen Namen nach allen Regeln der Kunst bearbeitet. In einer scheinbar harmlosen Stellung wird so lange laviert, bis dem Bindlacher ein kleiner Fehler unterläuft. Und schwupp die Kiste ist verfahren! Am Abend führt Michael Bezold die Turnier- und Lehrgangsteilnehmer durch die schachlichen Highlights von 6 Pulvermühlturnieren. Die Powerpoint-Präsentation des Großmeisterturniers von 2004 zeigt das unvergleichliche Flair des Hotels „Pulvermühle“.


Tagesbericht 4.+ 5. Runde aus der Pulvermühle

Reinderman mit Zwischenspurt an die Spitze

Einen guten Tag erwischte Dimitri Reinderman im fränkischen Waischenfeld. Der holländische Großmeister besiegte zuerst David Baramidze nach einem technisch sauber geführten Turmendspiel. Am Nachmittag hatte er noch genügend Kraftreserven um Ilja Brener schwer unter Druck zu setzen. Auch hier erreichte er ein Turmendspiel und auch dieses gewann er. Damit erzielte er die Optimalpunktzahl aus dieser schweren Doppelrunde.
Lokalmatador Axel Heinz wurde unsanft gestoppt. Peter Wells bezwang ihn in einer hart umkämpften Begegnung mit großer Mühe. Diese schwere Partie nahm den englischen GM derart mit, dass er in der zweiten Partie einen schnellen Friedensschluss mit GM Mchedlishvili aus Georgien akzeptierte. Seine schwarze Serie beendete Arik Braun ausgerechnet im mannschaftsinternen Duell mit Falko Bindrich. Wieder stand die „ Turniereröffnung“ Nimzoindisch zur Diskussion. Arik riskierte viel und ließ seinen König in der Mitte. Trotz schwerer Opferschläge, die Falko ansetzte, war der weißen Majestät aber nicht beizukommen! Im Kampf um die nötigen 5 Punkte zur IM Norm konnte einzig Georg Meier weiteres Terrain gutmachen. Nach den heutigen 1,5 Punkten fehlen ihm aus den restlichen 4 Runden nur noch 1,5 Zähler zur Norm. Nach der Halbzeit des Turniers ist ein kurzes Fazit angezeigt. Die jungen deutschen Spieler haben die erwarteten Schwierigkeiten in den Matches mit den international erfahrenen ausländischen Großmeistern. Im Soll liegt seitens der Jugendolympiamannschaft nur Georg Meier. Eine Ursache für die schwankenden Leistungen kann die umlaufende Grippe sein. Ilja Brener, Falko Bindrich und Arik Braun husten und prusten um die Wette. Georg Meier, der vermeintliche Verursacher, dagegen eilt gut erholt von Sieg zu Sieg an die Spitze.


Tagesbericht 3. Runde aus der Pulvermühle

Axel Heinz übernimmt nach 3 Runden die alleinige Tabellenführung

Am heutigen Sonntag reisen einige D/C-Kaderspieler zu einem Lehrgang nach Waischenfeld an. Ziel des Lehrgangs ist die Verbindung von Training mit Turnierhospitation herzustellen. Dies geschieht in der Erwartung, dass gemeinsame Analyse und reger Gedankenaustausch zwischen den GM und den jüngeren Kadern beide Seiten beflügeln können.Die Lage auf den Brettern ist nach einer Stunde noch ruhig. Wer zwischen den beiden Zimmernachbarn Baramidze und Mchedlishvili ein schnelles Remis erwartet hatte, sah sich positiv überrascht.Ilja Brener konnte in seiner ersten Weißpartie sofort die Initiative übernehmen. Dafür nutzte er die Analysen seines Gegners, Peter Wells, direkt aus dem Chessbase!Die Aufstellung von Falko gegen Dimitri Reinderman sieht mir etwas zu harmlos aus. Andererseits gehört sie vielleicht zu seinem gut strukturierten Repertoire.In der Paarung der beiden Jungolympioniken Meier gegen Braun entwickelt sich ein toller Schlagabtausch, nachdem Arik mit 3…. b5 den Fehdehandschuh geworfen hat. Ilija Balinov bearbeitet Axel Heinz in der Nimzoindischen Verteidigung. Überhaupt scheint dies die offizielle „Turniereröffnung“ 2005 zu werden!In dem Duell der beiden GM georgischer Abstammung lief dann doch alles auf gegenseitige Neutralisierung und übergroßen Respekt hinaus. Remis nach 2 Stunden.Interessant sind die Verhaltensweisen der GM am Brett zu beobachten. Peter Wells sieht man den Gedankenkampf in Gesicht und Gestik an, während Ilija Balinov fast entrückt aus einer anderen Sphäre die Stellung betrachtet. Dimitri Reinderman wirkt dagegen immer gelassen und ruhig. Mittlerweile hat GM Balinov sämtliche Figuren drohend auf Axels König gerichtet. Dafür hat er einen Bauern ins Geschäft gesteckt.Ilja Brener verwaltet eine angenehme Stellung und 50 Minuten mehr auf der Uhr, als sein englischer Kontrahent. Trotzdem mache ich mir ( noch ) keine Sorgen um Peter Wells.Sorgen dagegen macht mir Ariks hingeworfener Hühnerhaufen! Die schwarze Position wirkt seltsam unkoordiniert und planlos. Auch Falkos Partieanlage scheint in der Krise. Das Manöver g6 und Lg7 war so nicht auf seinem Plan. Trotzdem heißt es weiter kämpfen; es ist immer erst vorbei, wenn es vorbei ist!Ilja Brener zockt mit dem Zeitnotexperten Wells mit und steht vor einem Scherbenhaufen! Schade um die schöne Stellung. Doch es geschehen Zeichen und Wunder. Dauerschach ist Iljas Spezialität! Bei Balinov – Heinz sind nach 16 Zügen bereits die Digitaluhren auf Sekundentakt umgesprungen. Das lässt eine hektische Phase vermuten. Im wilden Handgemenge behält Georg die Ruhe und stürzt Arik mit Niederlage 3 in eine tiefe Krise. Währenddessen Axel Heinz ganz souverän seine Stellung verstärkt und seinen zweiten Sieg einfährt. Damit haben wir einen überraschenden Tabellenführer nach drei Runden! Axel Heinz. Falko Bindrich und Dimitri Reinderman landen in einem remislichen Endspiel und einigen sich auch entsprechend.


Der Tagesbericht zur 2. Runde aus der Pulvermühle

Bei Arik ist das Pulver nass

Arik Braun möchte seine zweite Weißpartie zur Resultatspflege nutzen. Ob der österreichische Großmeister Balinov allerdings das gutwillige Opfer sein wird, bleibt abzuwarten. Unser zehnter Mann, GM Peter Wells , ist wohlbehalten aus Gibraltar eingetroffen und nimmt in Runde zwei gleich zur Top-Ansetzung Platz. Sein Gegner ist heute David Baramidze. Die Partie läuft in bekannten theoretischen Bahnen und David gleicht schnell aus. Die Partie zwischen Dimitri Reinderman und Georg Meier beginnt mit 20 minütiger Verspätung, da der holländische Großmeister seinen Verdauungsspaziergang über Gebühr ausgedehnt hatte. Falko agiert gewohnt schnell und gut vorbereitet. Ohne Scheu akzeptiert er das vom georgischen Großmeister Mchedlishvili angebotene Bauernopfer. Dieser schaut ein wenig ungläubig, ob dieser Ungezogenheit des kleinen Jungens!  Im einzigen innerdeutschen Duell versucht Lokalmatador Axel Heinz seinen Schwung des Auftaktsieges gleich in einen zweiten Erfolg umzumünzen. Der Berliner Ilja Brener muss aufpassen, nicht gleich den klassischen Fehlstart hinzulegen. Wieder steht das sizilianische Vierspringerspiel zur Debatte, jedoch wählt Axel einen anderen Plan als gestern David. Nach einer Stunde befinden sich alle Partien ausgangs der Eröffnung. Allerdings sind schon zwei Bretter voll entflammt. Ilija Balinov bringt Arik Braun mit einem Standard-Opfer für offene Linien sofort arg in Bedrängnis. Die Angriffsmaschinerie rollt bereits auf Hochtouren und Arik macht beileibe keinen zufriedenen Eindruck! Ebenfalls voll drauf haut Axel Heinz. Ilja Breners Stellung wird links und rechts ganz schön zerrupft. Der Georgier nimmt Falkos König in den Schwitzkasten und Falko sucht bereits verzweifelt nach einem Ausweg. Vermutlich ist das Rückopfer des Mehrbauern angezeigt. Wenig los ist im Moment noch bei Reinderman-Meier und Wells-Baramidze. David hat alles runtergetauscht und ist in einem minimal schlechteren Endspiel gelandet. Das sollte er halten können! Wells wäre jedoch nicht Wells, wenn er nicht die letzte Chance aus der Stellung quetschen würde. Hoffen wir, dass kein Saft kommt! Nach vierzig Minuten entschließt sich Arik das Opfer abzulehnen. Leider hat sich die Lage dadurch auch nicht gebessert. Heldenhafte Verteidigung ist dringend nötig. Georg ist mit seiner aktiven Stellung gegen das Läuferpaar gut bedient. Seine Erkältung hat nachgelassen und er schaut zufrieden aus; mal sehen ob es so bleibt. Sorgen macht mir Axels Bedenkzeitverbrauch. In einer einfachen Stellung mit Mehrbauer muss man nicht für jeden Zug 10 Minuten überlegen! Falko findet einige subtile Manöver, die seine Lage erträglicher gestalten. Zug für Zug nähert er sich einer spielbaren Stellung. Was ist mit Balinov passiert. Seit über einer Stunde kein Zug mehr …Scheinbar ist er in einer Endlosschleife gefangen. Arik kann es nur recht sein. Am wenigsten lässt sich über Georgs Stellung berichten. Das Gleichgewicht ist nicht gestört. Axel hat die Zeitkontrolle geschafft und steuert seinen zweiten Sieg an. Ilja Brener muss erst noch in das Turnier finden. Jetzt zieht Balinov und es ist eine Keule. Arik trennt sich gezwungenermaßen von seiner Dame und erhält im Gegenzug Turm, Läufer und Bauer. Die Konstellation lässt kaum auf Kompensation hoffen. Nach knapp vier Stunden stellt Peter Wells seine Gewinnbemühungen ein! Remis. Arik wird der wild gewordenen schwarzen Dame nicht mehr Herr und kassiert seine zweite Niederlage. Georg erreicht das zweite „Großmeisteremis“ und liegt gut im Rennen um die IM-Norm. Falko konsolidiert seine Position und kann auf ein positives Ende hoffen. Kuriose Dinge tun sich bei Axel Heinz. Trotz klarer Plusstellung wird er immer unsicherer. Vielleicht kann er, den Sieg vor Augen, die letzte Konzentration nicht mehr aufbringen. Ein häufiges Phänomen im Turnierschach. Tatsächlich rettet sich Ilja Brener in ein Dauerschach. Falko unterliegt letztlich in einem ungleichfarbigen Läuferendspiel dem immerwährenden Druck des Georgiers.


Der Tagesbericht zur 1. Runde aus der Pulvermühle

Sensation durch Axel Heinz

Vor der ersten Runde des internationalen Großmeisterturniers der Jugendolympiamannschaft kam von einem anderen Schachgroßereignis eine beunruhigende Meldung. Unser zehnter Mann, GM Peter Wells aus England, gewann die letzte Runde von Gibraltar! Wieso beunruhigt uns das? Leider war die Rückflugverbindung so schwierig, dass sich seine Anreise nach Oberfranken etwas verzögerte. Damit wird seine Erstrundenbegegnung gegen Falko Bindrich verlegt und dieser stand als Liveticker-Kommentator zur Verfügung. Teilweise war der junge Zittauer schneller mit der Maus live im Netz, als die Kämpen mit der Hand auf dem Brett! In allen vier Erstrundenpartien ging es von Beginn weg gleich zur Sache. Besonders brisant eröffnete Ilija Balinov gegen Dimitri Reinderman. Er brachte ein frühes Figurenopfer und hielt den schwarzen König damit im Zentrum fest. Sein holländischer Großmeisterkollege verfiel daraufhin in langes Nachdenken. Die „lange“ Bedenkzeit von 6 Stunden half auch David Baramidze über den Eröffnungsschock! Ilja Brener testete gegen den Ranglistenersten eine seltene Variante des sizilianischen Vierspringerspiels. Dieser ging nach einer halben Stunde tiefen Grübelns in sich, vereinfachte die anstehenden Probleme und verlies sich auf seine größere Spielkunst im Mittelspiel. Arik Braun und Axel Heinz eröffneten Niwzoindisch; beide jedoch mit gewaltigen theoretischen Lücken, die so nicht erwartet wurden. Der Konter 11.... e5-e4 verbunden mit Bauernopfer und sehr schönem Gegenspiel sollte beiden bekannt sein! War es aber nicht! Nach dem Schwerfigurenabtausch befand sich die Partie im Gleichgewicht. Die langfristig besseren Chancen liegen jedoch beim Lokalmatadoren Axel Heinz aus Bindlach ! Im vierten Match bekam es Georg Meier mit Mikheil Mchedlishvili zu tun. Sein moderner Caro-Kann-Hybrid verflachte leider viel zu schnell in einem gleichstehenden Doppelturmendspiel. Vor dem Zug 30 sind jedoch Remisen der Jugendolympiamannschaft nicht erwünscht und vielleicht kann Georg ja die minimal bessere Struktur doch noch zu einem Gewinnversuch nutzen. Mittlerweile knöpfte David seinem Gegner ohne viel Mühe einen Bauern ab und seine Spielplanung schien aufzugehen. Mit Mehrbauer und gesundem Stellungsoptimismus ausgestattet, tauschte er stracks in ein nicht so klares Endspiel ab! Möglicherweise bot das Mittelspiel noch bessere Gewinnchancen. Reinderman hatte auf Kosten einer Figur die Rochade ausgeführt und plötzlich war Balinov am Brüten. Wie ist dieses Geschenk zu bewerten? Diese und ähnliche Fragen quälten ja bekanntermaßen schon die alten Griechen. Mal sehen welche Antwort der Österreicher parat hat. Auf beiden anderen Brettern geben die Positionen nicht viel her und vieles deutet auf einen unentschiedenen Ausgang hin. Nach 30 Minuten verspeiste Ilija Balinov den Läufer auf e7 und wurde mit gegnerischem Grübeln „bestraft“.  Nach ca. 3 Stunden beendeten Georg Meier und sein georgischer Kontrahent ( die Leser verzeihen mir bitte, dass ich diesen Namen möglichst nicht zu oft verwende!) die erste Partie des diesjährigen Turniers friedlich. Gewinnversuche waren nicht mehr möglich. Jetzt besteht Georgs Hauptaufgabe darin, den mitgebrachten rheinischen Schnupfen in die fränkische Frischluft davonzujagen! Davids Spiel wirkt merkwürdig gehemmt und langsam. Nach weiteren Bauernabtausch ist die Gewinnverwertung des Mehrbauern nicht einfacher geworden! Ilja verteidigt sich zäh. Mittlerweile hat Axel die psychologische Initiative übernommen. Arik hat plötzlich alle Hände voll zu tun, den Laden zusammenzuhalten. Mit einer Minute auf der Uhr ( gegen 55 beim Gegner ) erreicht David Zug 40 und blickt wieder optimistisch auf das Brett. Gesunder Mehr-Freibauer und richtiges Einzugsfeld verheißen den vollen Punkt. Mittlerweile vollendet Axel den ersten Paukenschlag des Turniers. Dame und Springer rücken Ariks Majestät tödlich zu Leibe.

In der Partie der beiden Großmeister wird die sich anbahnende Zeitnotschlacht abrupt durch den Friedensschluss beendet.

Davids großmeisterliche Technik sichert ihm den vollen Punkt und die mit Axel Heinz geteilte erste Tabellenführung!

 

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